24. Februar 2021

Annette Frei – mit ihrem Frog

Eine Reise nach Hirschberg

„Waaahnsinn…“ dachte ich, aufgeregt und glücklich, als ich 2016 auf das Gelände des Hirschberger Oldtimertreffen einbog: „…wir haben es tatsächlich geschafft!“ Wie hatte ich gezittert auf dieser Anfahrt: hatte ich dieses Geräusch schon vorher gehört? War es jetzt nicht etwa lauter als sonst? Der Öldruck…ist noch in Ordnung. Aber die Wassertemperatur? Nein, auch ok. Huch, schon wieder vergessen, den Blinker auszuschalten… Ach ja, man hört das Loch im Auspuff. Autsch, schon wieder die Haare direkt ins Auge geweht! Der Fahrtwind fegt aber auch wirklich heftig an der Windschutzscheibe vorbei. Hmm, der Grasduft riecht nach Sommer…und dann der feuchte Erdgeruch bei Walddurchfahrten! Wie herrlich, die unbehinderte Rundumsicht ohne Dach, ohne sonstige Aufbauten. Da hinten die Berge des Odenwalds! Ein absolutes Freiheitsgefühl breitet sich aus, gepaart mit dem Gefühl einer rohen Wildheit, die gut zum Fahren mit diesem englischen Roadster passt!

Nun hat es also doch geklappt, dass wir zu diesem Treffen mit unserem „Frog“ kommen. Wir, das waren mein damaliger Freund und ich. Das Jahr zuvor hatten wir im Oktober schon einmal einen Versuch gestartet. Leider blieben wir liegen. Das Ausrücken der Kupplung funktionierte plötzlich nicht mehr. Die Ausrückgabel hatte sich verbogen und dabei den Nehmerzylinder zerlegt. Nach den ersten Reparaturversuchen war es dann doch nötig, zum zweiten Mal den Motor inklusive Getriebe auszubauen, um wirklich alle betroffenen Bereiche reparieren zu können – der Winter war die ideale Zeit dazu. Im Frühling danach dann wieder Testfahrten, bei denen ich mir das intensive Lauschen und Beobachten angewöhnt habe – wie oben beschrieben.

Wenn ich nicht liegenbleibe, fällt der „Frog“ positiv im Verkehr auf: ein aufragender Daumen, ein zugerufenes „schönes Auto“ und verdrehte Köpfe lassen mich des Öfteren schmunzeln. Sein offizieller Name ist Austin Healey Sprite Mk I und das Modell wurde von 1958 bis 1961 gebaut. In dieser Zeit wurden 48.987 Exemplare hergestellt. Der liebevolle Spitzname „Frogeye“ oder kurz „Frog“ kam übrigens schon bald nach Auslieferung der ersten Exemplare auf, denn die Frontscheinwerfer waren auf die Motorhaube aufgesetzt statt integriert. Schuld daran waren die „American specs“, die es zu erfüllen gab, denn zunächst und maßgeblich sollte der nordamerikanische Markt bedient werden.

Dies passt auch zur Geschichte meines „Frog“: gebaut wurde er 1960 und hatte seine Heimat in Seattle. Dann wurde er 2006 in die Niederlande importiert und in den folgenden Jahren restauriert. 2008 kaufte ihn ein Oldtimer-Händler aus Dänemark, bei dem wir ihn dann 2011 erstanden haben. Der Transport per Anhänger aus Nord-Dänemark war …laaaang. Ebenso das Prozedere beim TÜV, denn zuerst musste der Wagen vollabgenommen werden. Aber sowas ist schnell vergessen, es war Frühling und unsere erste Ausfahrt ein spannendes Abenteuer – jedenfalls setzten wir uns mit dieser Erwartung zum ersten Mal in unseren Roadster! Nach einer Weile tauchte leider ein klackendes, höchst verdächtiges Geräusch auf: wohl ein Lagerschaden. Wir bauten den Motor damals zum ersten Mal aus, damals noch in der Garage eines Freundes, und ließen ihn überholen.

Nach dem Wiedereinbau standen wir vor den schwierigen Aufgaben, Zündung und Vergaser einstellen zu müssen. Ein Hoch an dieser Stelle auf unsere Freunde, die uns mit diffizilem Know-how zur Seite standen und stehen!! Das Jahr 2015 war dann geprägt von großen Fortschritten, kleineren Rückschritten, vielen Testfahrten, vielen Abschleppaktionen (ach ja, auch an dieser Stelle ein weiteres Hoch auf unsere Freunde!) und gipfeln dann im Erfolg der gelungenen Fahrt zum und vom Hirschberger Oldtimer Treffen im Juni 2016!

Mein „Frog“ ist weitgehend original: 948 ccm, H1 Vergaser und Trommelbremsen rundum. Ich empfinde ihn als Kulturgut, als Zeitzeuge und als früher Kosmopolit. Technische Optimierungen sollen nur zum Zuge kommen, wo es wirklich nötig ist. Zum Beispiel sind die originalen „pancake“ Luftfilter suspendiert, da nicht effektiv genug. Auch die mechanische Benzinpumpe war nicht ganz zuverlässig und wurde durch eine elektrische ersetzt. Denn da das Fahren so großen Spaß mit dem Wagen macht mit seinem unbändigen Temperament und dem nostalgischen Lebensgefühl, das er mir gibt, ist Fahrbarkeit eines der wichtigsten Ziele, das aber mit Feingefühl verfolgt werden will!

Die Mühen bis 2016 haben sich sehr gelohnt: seitdem sind keine größeren Reparaturen mehr nötig gewesen und mit dem seither gewachsenen Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Wagens ist meine Liebe zu diesem Kleinod noch mehr gewachsen! Die Geschichte der „Reise nach Hirschberg“ ist zum ersten Meilenstein einer langen Reihe wunderschöner Ausfahrten geworden und daher eine besondere Erinnerung.

Text und Bilder von Annette Frei

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4 Comments

  1. Steffen Maier 1. März 2021 at 20:29 - Reply

    Hallo Annette,

    herzlichen Glückwunsch zum einen zu dieser tollen Geschichte um ein super (und mittlerweile auch preisgekröntes!) Auto und zum anderen Dir als erste, deren Geschichte in unserer neuen Rubrik veröffentlich wurde!

    Nun hoffe ich, daß Dein Beispiel Schule macht und sich weitere Geschichten finden, die die Einzigartigkeit unserer Leidenschaft ausdrücken. Auch darf fleißig kommentiert werden. Wir wollen uns ja schließlich austauschen.
    Also, Ihr da draußen: Her mit Euern Erlebnissen und Kommentaren rund um’s heilige Blechle! :-)
    Und Dir, Annette, noch viele tolle Erlebnisse und viel Freude mit Deinem weißen Frosch!

    Viele Grüße
    Steffen

  2. Thomas 2. März 2021 at 13:04 - Reply

    Hallo Annette, klasse Story mit tollen Bildern. Grüße Thomas (Fahrzeug: Ford Mustang Cabrio V8, rot, Bj. 1970)

    • Steffen 2. März 2021 at 15:02 - Reply

      Hallo Thomas,

      als regelmäßiger H.O.T.-Besucher hättest Du doch bestimmt auch eine interessante Geschichte von Deinem Mustang zu erzählen?! :-)

      Grüße
      Steffen

      • Annette 3. März 2021 at 12:58 - Reply

        Vielen Dank, Thomas und Steffen!

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